Kulturveranstaltungen in Oberteuringen barrierefreier

Schwäbische Zeitung 22.08.2023

Hoerhilfe

Im Kulturhaus Mühle in Oberteuringen steht dank der Förderung durch die Aktion Mensch jetzt eine mobile Hörhilfe für Menschen mit Hörbeeinträchtigung und Cochlea-Implantat zur Verfügung. Der Impuls dazu kam von Markus Bürzle (von links), umgesetzt wurden Beschaffung und Einrichtung von Annika Taube, Rudolf Schumacher, Barbara Kensy-Schneider, Irmi Dollansky und Alexander Hog.
(Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)

Für schwerhörige Menschen können Nebengeräusche den Besuch eines Vortrags oder Kabaretts unmöglich machen. Wie die Hörhilfe in der „Mühle“ funktioniert. Kultur soll für alle Menschen zugänglich sein. Barrierefreiheit für schwerhörige Menschen herzustellen, gelingt mit Hilfe von technischen Möglichkeiten. Der Kulturverein „Mühle“ in Oberteuringen verfügt seit Neuestem über eine mobile Hörhilfeanlage. Das System passt in einen handlichen Koffer, der zum Transport, zur Aufbewahrung und als Ladestation dient.

Von wem die Initiative ausging

Angestoßen wurde die Anschaffung durch den Oberteuringer Markus Bürzle. Er ist von Geburt an schwerhörig, selbst Träger eines Cochlea–Implantats und Vorsitzender der gleichnamigen Selbsthilfegruppe. 2014 erhielt er im Alter von fünfzig Jahren links ein Cochlea–Implantat, rechts trägt er ein Hörgerät.

Vor einiger Zeit hat er gegenüber der Oberteuringer Inklusionsbeauftragten Annika Taube erwähnt, dass er sehr gerne Kulturveranstaltungen in der „Mühle“ besuchen würde, aber dass es für Menschen mit seiner Behinderung unmöglich sei, einer Vernissage, Vorträgen, Kabarett und Sprechbeiträgen aller Art zu folgen.

Nebengeräusche machen Besuch unmöglich

Nebengeräusche wie Stimmengemurmel und Hintergrundgeräusche anderer Besucher machten es unmöglich, das Gesprochene zu verstehen. Aufgrund dieser Erfahrung habe er den Besuch solcher Veranstaltungen aufgegeben.

Annika Taube hat daraufhin recherchiert, wie eine solche Anlage finanziert werden kann und stieß auf die Möglichkeit der Mikroförderung Barrierefreiheit der Aktion Mensch, die Maßnahmen bis 5.000 Euro zu hundert Prozent ohne Eigenanteil für freie, gemeinnützige Organisationen finanziert. Sie sprach mit Irmi Dollansky und Barbara Kensy–Schneider vom Kulturverein darüber, „die beide sofort Feuer und Flamme waren“, sagt Taube.

Oberteuringer Hörakustiker kommt zum Einsatz

Dann galt es, in Zusammenarbeit mit einem Hörakustiker das für die „Mühle“ geeignete System zu suchen, die Anträge zu stellen und auf die Förderzusage zu warten, was sich insgesamt zwei bis drei Jahre hingezogen habe. Alexander Hog ist selbständiger Veranstaltungstechniker und Inhaber der Firma „Der gute Ton“. Er wohnt ebenfalls in Oberteuringen. Er kennt die Akustik der Räumlichkeiten in der Mühle und berät den Kulturverein in Sachen Tontechnik.

Zunächst war die Verlegung einer festen Induktionsschleife im Gespräch, dann erwies sich aber ein mobiles System, wie es auch bei Führungen in Museen verwendet wird, am praktischsten. Hog hat die Anlage besorgt und Anpassungen vorgenommen, die zur Verbindung mit der technischen Ausrüstung in der „Mühle“ notwendig waren.

Wie die mobile Hörhilfe funktioniert

Rudolf Schumacher ist seit 20 Jahren bei Veranstaltungen für die Technik in der „Mühle“ zuständig. Wenn er Support braucht, kann er Hog auch telefonisch erreichen. Die mobile Hörhilfe besteht aus einem Sender, an dem ein Aufsteckmikrofon befestigt oder das mit einem Headset verbunden wird.

Koffer

Die mobile Hörhilfe passt in einen Koffer, der zugleich zur Aufbewahrung, zum Transport und als Ladestation dient. (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)

Acht Empfänger sowie Kopfhörer für Menschen mit Hörproblemen oder Hörgeräten stehen zur Verfügung und vier Induktionsschlingen für Menschen mit Cochlea–Implantaten. Die Teleschlinge erzeugt durch Töne ein Magnetfeld, das im Implantat wieder in Töne umgewandelt wird, erläutert Hog.

Testlauf war erfolgreich

Jeder, der nicht gut höre, könne einfach einen Kopfhörer aufsetzen und hätte damit die Funktion von zwei Lautsprechern. Alternativ können Hörgeräte direkt gekoppelt werden. Der Sender kann auch über das Mischpult mit mehreren Sprechenden verbunden werden.

Im Juni ging der Testlauf bei einer Vernissage erfolgreich über die Bühne. „Es hat einwandfrei funktioniert“, sagt Bürzle, der gleich ausprobiert hat, wie weit er sich vom Sender entfernen konnte. „Es hat sogar draußen vor der Tür geklappt.“

Maximal etwa 50 Meter sei die Reichweite, sagt Hog. Es komme auf die Raumsituation an. Wer am „Kulturhören für Alle“ teilnehmen will und dazu die mobile Hörhilfe nutzen möchte, sollte sich vor der Veranstaltung per Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. mit dem Mühlenteam in Verbindung setzen, dann wird das entsprechende Gerät reserviert.

Südkurier 26. August 2023 von Claudia Wörner

Damit das Hören ein Genuss bleibt

Kulturverein Mühle hat jetzt Hörhilfe-Anlage für Menschen mit Cochlea-Implantat. Sie kommt bei Veranstaltungen zum Einsatz.

Hoerhilfe

Freuen sich über die mobile Hörhilfe-Anlage für das Kulturhaus Mühle (von links): Martin Bürzle, Annika Taube, Rudolf Schumacher, Barbara Kensy-Schneider und Irmgard Dollansky sowie Alexander Hog. | Bild: Claudia Wörner

Mit dem Projekt „Kulturhören“ nimmt der Kulturverein Mühle Menschen mit Hörbeeinträchtigungen in den Blick. Mittels einer mobilen Hörhilfe-Anlage kommen sie ab sofort in den Genuss von Kabarett über Kleinkunst bis hin zu Ausstellungseröffnungen.

Getestet wurde die neue Anlage jüngst bei der Vernissage von Martin Bürzle, der ein Cochlea-Implantat hat. „Es hat in top Qualität perfekt geklappt“, berichtet er von seiner Erfahrung. Normalerweise sei für ihn bei solchen Veranstaltungen der Lärmpegel zu hoch. Nebengeräusche wie Stimmengemurmel und Hintergrundgeräusche würden es unmöglich machen, das Gesprochene zu verstehen. „Das ist ermüdend und irgendwann verliert man den Faden“, sagt der 59-jährige Oberteuringer, der Vorsitzender der Cochlea-Implantat Selbsthilfegruppe Bodensee/Oberschwaben ist und den Anstoß für die Hörhilfe gegeben hat.

In einem handlichen Koffer ist die komplette mobile Anlage verstaut. Veranstaltungstechniker Alexander Hog erläutert die Technik: „Träger eines Cochlea-Implantats bekommen eine der vier Teleschlingen um den Hals, die ein Magnetfeld der Töne erzeugt. Das Cochlea-Implantat im Kopf des Trägers wandelt das Magnetfeld wieder in Töne um.“ Für Menschen, die ein Hörgerät tragen oder nicht so gut hören gebe es acht Kopfhörer plus Empfänger vergleichbar mit Audio-Systemen im Museum. In beiden Fällen ist der Sender beim Sprecher. Das Schöne: Tragen mehrere Leute auf der Bühne ein Mikro, können die Signale über das Mischpult übertragen werden.

Erfreut ist das Mühlenteam zusammen mit der Inklusionsbeauftragen Annika Taube über die komplette finanzielle Förderung des Projekts durch die Aktion Mensch in Höhe von 4853 Euro. „Es ist eine Mikroförderung, um für Menschen mit Beeinträchtigung eine Barriere weniger zu haben“, so Taube.